Was ist Gestalttherapie?

Die Gestalttherapie wurde in den 40 er Jahren von Fritz Perls einem deutschen Psychiater und seiner Frau Lore Perls, die beide als Psychoanalytiker tätig waren und dem Soziologen Paul Goodman in den USA entwickelt. Sie (d.h. Perls und Goodman) integrierten unterschiedliche Ansätze aus Europa (Psychoanalyse, Psychodrama, Körpertherapie nach W. Reich, Existentialismus), Erkenntnisse aus der Gestaltpsychologie sowie östliche Philosophien zu einer neuen Therapieform. Dabei verstanden sie den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist, die sich in einem dauernden Austausch mit der Umwelt befindet. Die Gestalttherapie gehört somit zu den wichtigsten humanistischen Therapieansätzen. Während Psychoanalytiker überwiegend den Blick in die Vergangenheit lenken und Verhaltenstherapeuten vor allem ziel- und zukunftsorientiert vorgehen, richten humanistische Therapeuten und so auch die Gestalttherapie ihr Hauptinteresse auf die Gegenwart. Der Akzent wird vor allem auf das bewußte Wahrnehmen einer unmittelbaren Erfahrung gelegt und will den kreativen, ressourcen- und lösungsorientierten Handlungen des Menschen und den damit verbundenen körperlichen und emotionalen Erlebnissen wieder zu ihrem Recht verhelfen. So hat die Gestalttherapie die körperliche seelische und geistige Integration der Person in ihrer Umwelt zum Ziel. Durch seine bisherigen Lebenserfahrungen hat jeder Mensch bestimmte Muster entwickelt, sich auszudrücken, sich zu verhalten oder auf eine bestimmte Art zu denken und zu fühlen. Manchmal jedoch reichen diese Muster nicht aus, um ein zufriedenes Leben führen zu können. Sie können sich sogar hinderlich auswirken. Im Kontakt zwischen Therapeut und Klient werden diese Verhaltensweisen, Einstellungs- und Denkmuster wahrnehmbar. Sie werden als Versuche der Person gewürdigt, sich an widrige die Identitätsentwicklung hemmende Umstände anzupassen. Die Gestalttherapie versucht Blockaden und Kontaktstörungen bewußt zu machen und bietet durch Wahrnehmungs-, Kontakt und Körperübungen mit Hilfe von Rollenspielen und kreativen Medien die Möglichkeit an, neue alternative Verhaltensweisen im geschützten Rahmen auszuprobieren und einzuüben. Die therapeutische Beziehung ist von Wertschätzung und Zeit zum Wachstum geprägt und verzichtet auf manipulative Verhaltensänderungen und Deutungen seitens des Therapeuten. Es steht vor allem der Dialog im Vordergrund, der Heilung durch Begegnung ermöglichen soll. Thijs Besems und Gerry van Vugt haben die Gestalttherapie für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung weiterentwickelt und wenden sie seit 20 Jahren in vielen Einrichtungen der Behindertenhilfe erfolgreich an.